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18 | 11 | 2017
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Was sind Naturheilverfahren?

Seit Urzeiten bedient sich die Heilkunde der genuinen Heilfaktoren wie Wärme, Kälte, Erde, Wasser, Luft, Pflanzen etc., so dass der Einsatz von Naturheilmitteln seit jeher als fester Bestandteil der medizinischen Behandlung gilt. Im Mittelalter wurden Naturprodukte wie verschiedene Salze und vor allem Heilpflanzen (Klosterheilkunde) eingesetzt. Im 19. Jahrhundert, mit der Entwicklung der Analytik, konnte man mit der Dosierung von Einzelstoffen aus Pflanzen beginnen, die im 20. Jahrhundert mit der vollständigen Synthetisierung ihren Abschluss fand (z.B. Acetylsalicylsäure). Durch die Entwicklung der Grundlagenfächer, wie u.a. Physiologie, Biochemie wurde die Entwicklung synthetischer Arzneimittel in Gang gesetzt (z.B. Sulfonamide, Antiseptika, Zytostatika). Durch ihre definierte und belegbare Wirksamkeit kam es zur überwiegenden Verordnung von synthetischen Arzneimitteln.

Durch diese Entwicklungen trat die Behandlung mit Naturheilmitteln und Naturheilverfahren, sowie deren Erforschung deutlich in den Hintergrund, blieb aber an einigen Universitäten und anderen klinischen Institutionen, vor allem aber in zahlreichen Praxen ein oft wichtiger Bestandteil in der konventionellen Medizin.

Zur pragmatischen Definition der „Naturheilkunde“ geht man heute von ihren Wirkfaktoren, Wirkprinzipien und ihren Wirkweisen aus, wobei in Deutschland traditionell die fünf klassischen Naturheilverfahren den Kern des Naturheilverfahrens bilden: Hydro-/Thermotherapie, Ernährungs-, Bewegungstherapie und Massagen, Phytotherapie sowie die Ordnungstherapie. Diese Verfahren stellen im Lehrbereich  Naturheilkunde den wesentlichen Kern der Tätigkeit  dar.

Im angelsächsischen Sprachraum wird der Begriff „Complementary medicine“ gebraucht, wobei aber dieser Begriff weit umfassender sowie unschärfer gefasst ist und auch Verfahren einschließt, die in Europa keine festen Bestandteile der konventionellen Medizin (sog. Schulmedizin) sind und waren, wie beispielsweise die Homöopathie und die anthroposophische Medizin. Diese Therapieverfahren, die von den klassischen Verfahren deutlich abgegrenzt werden müssen, werden von uns aber auch in der Lehre vermittelt, da  sie in Europa zunehmend angewendet werden.

Betrachtet man jeden der auf der Titelseite aufgezeichneten Kreise für sich, so stellt man fest, dass sie alle ein fester Bestandteil der Schulmedizin sind. So wird die Phytotherapie auf gesicherter wissenschaftlicher Grundlage breitbasig eingesetzt, wie z.B. die Verordnung von Fencheltee nach abdominellen Eingriffen oder Johanniskraut (Hypericum perforatum) bei leichten bis mittelschweren Depressionen.

Die therapeutische Anwendung der Ernährung ist in der Krankenbehandlung seit Jahrhunderten mit dem ärztlichen Handeln verbunden und steht heute auf den festen Füßen der Ernährungswissenschaft. Die Bewegungstherapie ist in nahezu allen klinischen Fachgebieten vertreten und anerkannt, keineswegs nur als Bestandteil der Sportmedizin, oder der rehabilitativen- und physikalischen Medizin.

Auch die Hydro- und Balneotherapie gehören seit den wissenschaftlichen Arbeiten des Wiener Klinikers Winternitz zur konventionellen Medizin.

Die Ordnungstherapie umfasst heute in allen Fachgebieten alle Aspekte einer ärztlich-geleiteten psycho-physischen Lebensordnung und ist u.a. durch den Einsatz chronologischer Aspekte, Entspannungsverfahren, aber auch die Gesundheitsbildung und -beratung gekennzeichnet.

 

Patientenversorgung

Der Lehrbereich hat strukturbedingt eine enge Beziehung zur Modellabteilung für Naturheilkunde der Klinik Blankenstein in Hattingen. Dort werden vornehmlich Chronisch- und Langzeiterkrankte mit erhöhter  Akuzidität, besonders mit psychosomatisch-psychologischer Komponente in der Krankheitsverarbeitung behandelt, bei denen ein naturheilkundlicher Ansatz Erfolgsaussichten, im wesentlichen im Sinne der Linderung, verspricht, die von konventionellen stationären Behandlungsangeboten nicht zu erwarten ist. Die Abteilung hat bereits enge Kooperationen zu den hiesigen Universitätskliniken. Synergien ergeben sich beispielsweise mit der orthopädischen Universitätsklinik (Direktor: Prof. Dr. med. J. Krämer) in Form von regelmäßigen Konsilen und in der Versorgungsforschung.